Geschichte der Musikschule
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Zu Entwicklung und Geschichte der Musikschule ist der vom Vorsitzenden, Jochen Dreier, 2008 anlässlich des 40jährigen Jubiläums gehaltene Ansprache immer noch eine sehr zuverlässige Quelle:

Ich begrüße Frau Bürgermeisterin Unger, Herrn Landrat Adenauer, den Vorsitzenden des LVdM, Herrn Gerland, die Vertreter der Verwaltungen, das Kollegium, die Eltern und Schüler und alle Freunde der Musikschule. Ich danke allen für ihr Kommen, um das 40jährige Bestehen dieses "Unternehmens Musikschule" gemeinsam zu feiern. Dies sage ich mit großer Genugtuung und mit Verbundenheit gegenüber allen, die zu dem Entstehen und der weiteren Entwicklung einen Beitrag geleistet haben. Wir wollen heute den Stolz auf das Erreichte vorwiegend mit unserer Sprache ausdrücken : mit Musikmachen. Dabei stellen wir bewusst das Ensemblemusizieren in den Vordergrund, weil wir darin den Königsweg unserer Bemühungen sehen, was nicht heißen soll, dass auch wunderbare Einzelleitungen ihre Präsentation verdienten.

In dem Programm steht zwar "Grußwort". Gleichwohl gehe ich mal davon aus, dass Sie zu unseren schönen Anlass einen kleinen Rückblick auf die vergangenen Jahre erwarten und auch ein paar Worte zur Positionsbestimmung von heute.

Meine Damen und Herren!

Die 40jährige Entwicklung der Musikschule bis hin zum heutigen Stand mit 3700 Unterrichtsbelegungen pro Woche, entsprechend vielen Eltern, über 100 Lehrern, vielfältigem Engagements, gewiss auch mit einem beträchtlichen Finanzbedarf hat sich ohne Zweifel zu einem respektablem Faktor der Bildungs- und Kulturszene des Kreises gemausert. Ich will die Erfolge, die Sie kennen, hier nicht im Einzelnen wiederholen. Bei ihrem Prozess des Erwachsenwerdens ist es ihr allerdings wie im richtigen Leben ergangen: sie hat lernen müssen! Immer wieder neu auftretende Herausforderungen haben sie veranlasst, ihren Stellenwert zu überprüfen und zu verändern und auch innere Struktur zu revidieren. Das verlief -wen sollte wundern- nicht stromlinienförmig und war vielfach sogar schmerzhaft.

Wenn man einen Generalnenner ihrer Entwicklung suchte, könnte man sagen: aus einer organischen Gemeinschaft von idealistischen Einzelpersonen der ersten Zeit eine organisierte Institution geworden, die nach innen und außen einen Prozess der Professionalisierung mit mancherlei Konsequenzen durchgemacht hat.

Es begann eher unauffällig, wenn auch nicht zufällig. Musikliebhaber, die nicht ohne Einfluss waren und gute Beziehungen hatten -ich nenne hier die Namen Werner Wissmann, Kurt-Christian Zinkann, Hermann Diestelmeier, Hans Tödtmann - setzten sich das Ziel, (vielleicht bei einem guten Glas Wein) einen Verein zu gründen, um ihre Begeisterung für die Musik auch der Jugend zu realistischen Bedingungen zu ermöglichen. Zu dieser Zeit wurden nicht ganz zufällig auch in anderen Städten und Kreisen Musikschulen gegründet.. Es war eine Zeit des gesellschaftlichen Aufbruchs. In gewisser Weise ist die Musikschule ein Kind der 68 er, obwohl die besagten Herren mit den lauten Proteststudenten nun gewiss nichts im Sinne hatten. Aber ich bin sicher: auch ihnen war nicht entgangen, dass in der Öffentlichkeit das Bestreben gewachsen war, nach den formalen Verfassungsrechten, die man dem 2. WK errungen hatte, nun auch mehr inhaltliche Rechte einzufordern. Ralf Dahrendorf verkündete das "Recht auf Bildung" für alle. Bildung war nicht auf praxis- bzw. berufsrelevante Inhalte beschränkt, sondern es zählte alles dazu, was die "Selbstbestimmung in sozialer Verantwortung" - dies wurde das oberste Lernziel in allen Lehrplänen - als Erziehungsziel anstrebte. Wie selbstverständlich gehörte auch die Musikerziehung und das Erlernen eines Instrumentes dazu. Nicht mehr die "höhere Tochter" allein, die zur Sicherung ihres sozialen Ansehens Privatunterricht erhalten hatte, sondern durchaus in emanzipatorischer Absicht sollte breiten Schichten der Bevölkerung das soziale und intellektuelle Erlebnis praktischer Musikausübung ermöglicht werden.....eine Absicht, die auch heute noch äußerst aktuell ist.

Natürlich bezogen die genannten Herren von vornherein die Verwaltung des Stadt und des Kreises , mit ein, weil man genau wusste, dass das Unternehmen öffentliche Unterstützung brauchte. Zwei Jahre hat es immerhin gedauert, bis es endlich soweit war, vor allem dank der Beharrlichkeit von Werner Wißmann.

Intim fing es an: unter dem Dach der ehemaligen Stadtbibliothek an der Schulstraße; der 1. Schulleiter Arnold Möller arbeitete nebenamtlich, die Verwaltungsarbeit übernahmen nebenher z.T. Angestellte der Stadt. 16 Lehrer, ebenfalls alle nebenamtlich, unterrichteten 380 Schüler, hauptsächlich im Bereich der Grundausbildung.

Wie gut die Idee war, bezeugt die explosionsartige Zunahme der Schüler. Neue Lehrer mussten her, die es z.T. aber damals noch gar nicht als voll ausgebildete Kräfte gab, Räume fehlten außerdem. Das 1. Problem wurde dadurch gelöst, dass man eben selbst ausbildete, das 2. Problem fand 1978durch die Anmietung eines großbürgerlichen Hauses in der Kirchstraße seine vorläufige Lösung. Trotz dieses zahlenmäßigen Wachstums ging es anfangs eher vertraulich, fast betulich zu. Dr. Stüven, Schulleiter seit 1973, sammelte die Musikschulangehörigen wie in einer Familie um sich. Man kannte sich, fühlte sich einem gemeinsamen Ziel verbunden und löste vieles durch Selbstgestricktes. Im Vorstand waren alle wie um den großen Tisch versammelt, Vertreter von Stadt und Kreis, der Mitglieder, der Lehrer und der Schulleiter, Vertreter des Nordkreises, des Südkreises, der Fraktionen, sogar des Städtischen Musikvereins,. insgesamt 12-13 an der Zahl. Natürlich herrschte nicht immer Eintracht, aber das meiste blieb intra muros. Und dann das liebe Geld !. Die Gebühreneinnahmen deckten natürlich nicht die Kosten. Der Ausgleich der Finanzlücken durch Stadt und Kreis hatte etwas Patriarchalisches: ex post wurde genehmigt, manchmal gütig, manchmal zähneknirschend. Das erinnert mich an den Vater, dem der studierende Sohn nach dem alten Bonmot per Telegramm schrieb: "Vater schick Geld, bin schwer am gewinnen"!

Irgendwann wurde die Sache schwerfällig und unkontrollierbar, spätestens, als man Rechte entdeckte und eine stärkerer Kodifizierung der Beziehungen zueinander notwendig wurde. Eine Generalüberholung in Richtung Transparenz, Ausdifferenzierung der Funktionen, auch Rationalisierung der Arbeitsvorgänge wurden nötig. Der Musikschule ist es dabei nicht anders ergangen als vielen Sozialverbände auch: der Wechsel von der Handschlagphilosophie zur juristischen einklagbaren Regelung. Arbeitsverträge, Tarifverträge, Betriebsräte, Betriebsvereinbarungen, Arbeitszeitregelungen, schriftlicher Nachweis der Zusammenhangstätigkeiten , verbindliche Haushaltspläne ex ante etc wurden notwendig. Der Vorstand besteht seit 1990 nur noch aus 5 Personen, die von den Mitgliedern gewählt werden. Eltern- soweit keine Mitglieder - Lehrer und die Zuschussgeber Stadt und Kreis wurden ausgegliedert und sind jetzt offen als Interessenspartner erkennbar. Auch die innere Umstrukturierung mit der Einstellung eines kompetenten und einschlägig ausgebildeten Verwaltungsleiters, des Herrn Ritter, Ernennung von Fachbereichsleitern und Zweigstellenleitern geht in Richtung Professionalisierung. Seit 2004 existiert ein förmlicher Kooperationsvertrag mit Stadt und Kreis, in dem die Aufgaben klar dokumentiert sind und jeder Vertragspartner eine mittelfristige Planungssicherheit gewinnt.

Inhaltlich werden Leistungsstandards definiert und im Rahmen des interkommunalen Leistungsvergleichs, begleitet von der Bertelsmann Stiftung, evaluiert.(E-Dur Programm).

Insgesamt hat dieser Prozess der Musikschule gut getan. Jeder spielt seine Rolle, kennt seine Verantwortung. Konflikte sind natürlich in der Öffentlichkeit leichter erkennbar und ermöglichen eine offene Stellungnahme der Interessensgruppen. So ist es einmal zu einer Protestaktion in einer Sitzung eines Ausschusses des Kreistages gekommen, auch die privaten Musikschulen haben sich eingeschaltet, Verhandlungen um Betriebsvereinbarungen wurden von der Lehrerschaft in aller Offenheit kritisch begleitet etc. Trotz mancher kontroverser Situationen hat aber die gemeinsame Zielverfolgung nicht gelitten. Alle Parteien haben Konzessionen gemacht, um das Gesamtwerk nicht zu gefährden. Ich glaube, man kann davon ausgehen, dass die politisch Verantwortlichen an der Notwendigkeit unserer Musikschule als Bildungs- und vor allem auch Jugendförderungszentrum nicht zweifeln und uns weiter unterstützen werden. Wir wissen, dass das nicht selbstverständlich ist. Stadt und Kreis beteiligen sich an den Kosten, die ja im Wesentlichen Personalkosten sind, immerhin zu ca. 47%, die sie sich im Verhältnis 1:2 aufteilen. Wir wissen auch, dass wir von vielen anderen gesellschaftlichen Gruppen und Personen geschätzt und materiell oder immateriell unterstützt werden, von den Eltern und Schülern ganz zu schweigen, die uns ja täglich ihre Anerkennung trotz manchmal schmerzhafter Gebühren durch Anmeldezahlen beweisen.

Wo stehen wir heute mit Blick auf die Zukunft?
Die Mannschaft um die Schulleitung in Gestalt von Michael Corßen, Eckart Vincke und Michael Ritter überprüft in Absprache mit dem Vorstand immer wieder die gewandelte gesellschaftliche Entwicklung, die pädagogischen Erfordernisse (Pisa), auch die jugendpolitischen Herausforderungen und leiten phantasievolle Überlegungen daraus ab. Unsere derzeitigen Ziele heißen: Förderung des Gemeinschaftsmusizierens, Kooperation mit anderen Bildungsträgern und Öffnung des Angebots für weitere Alters- und Interessengruppen und Evaluierung von Leistungsstandards.

Neben dem klassische Einzelunterricht zum Erlernen eines Instrumentes gewinnt das Zusammenspiel in Kleingruppen bis hin zur Orchestergröße an Bedeutung . Das ist für uns ein hohes Ziel. Einem Instrument nicht nur Töne zu entringen, sondern in der Gemeinschaft ein integraler Teil zu sein, Rücksicht und Verantwortung in Bezug auf die Mitspieler zu üben, ist ein soziales Erlebnis und erzeugt Kompetenzen, die - das ist unter Fachleuten unbestritten - auch auf andere Lebenssituationen übertragen werden können. Schauen Sie sich nur die Gesichter derer an, die hier auf dem Podium ihre Freude am gemeinsamen Schaffen zum Ausdruck bringen....Sie sehen hier die Erkenntnis von Nietzsche geradezu inkarniert: "Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum". Ich würde ergänzen: Ohne Musik ist die Erziehung ein Irrtum!

Unsere Zusammenarbeit mit den Schulen des Kreises wurde erheblich ausgedehnt. Schon die Ausweitung der Schulzeit auf die Nachmittage durch den zunehmenden Ganztagsunterricht zwingt uns natürlich, die Kinder nicht nur zu uns holen, sondern zu ihnen in die Schulen zu kommen. Das beginnt mit dem gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung und der Volkshochschule angestoßenen Projekt "Kita macht Musik", in dem die Musikschule in Kooperation mit den Kindergärten eine Weiterbildung für Erzieher und Erzieherinnen anbietet. Ziel ist eine möglichst früh ansetzende Musikalisierung der Kinder. Wir beteiligen uns an der Gestaltung der offenen Ganztagschulen. Mit dem sog. Klassenmusizieren, durch das Kinder in Zusammenarbeit der Musiklehrer mit unseren Lehrern im regulären Musikunterricht gemeinschaftlich ein Instrument erlernen, haben wir gute Erfahrungen gemacht. Darüber hinaus wurde ein eigenes Konzept für das Klassenmusizieren mit Instrumenten der Popularmusik umgesetzt, das erstmals an 2 Hauptschulen und einer Gesamtschule erprobt wird.. Einen festen Platz hat mittlerweile die Unterrichtsform Workshop. Hier erarbeiten alle Fachbereiche mindestens einmal pro Schuljahr an einem Wochenende mit 40 - 100 Schülern ein Konzertprogramm, das zum Abschluss auch aufgeführt wird. Diese Angebote richten sich an Zielgruppen mit kurzfristigen Interessen. Zum Hit ist der Workshop für Rock-Musik geworden.

. Wir bedauern, dass Ostwestfalen leider noch nicht an dem Projekt "Jedem Kind ein Instrument", das das Land zunächst im Ruhrgebiet begonnen hat, beteiligt wird. Dieses Projekt bestätigt unser Konzept des Klassenmusizierens. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Initiative der Kulturdezernenten aus OWL mit der Intention, auch Landesmittel für ähnliche Projekte in unserer Region zur Verfügung zu stellen. Die Voraussetzungen sind im Kreis Gütersloh ideal!

Mein Damen und Herren!

Der Vorstand hat die große Zuversicht, dass wir weiter einen wichtigen, ich möchte sagen: unentbehrlichen Platz in der bildungspolitischen Landschaft darstellen. Ich bitte noch einmal alle, denen an einer lebendigen Kultur und an einer sinnorientierten Jugend gelegen ist, weiter um Unterstützung, wohl wissend, dass viel geschehen ist und hoffend, dass wir die mit der Unterstützung verbundenen Erwartung auch erfüllen.
Ich schließe mit einem Sinnspruch von Konfuzius, den wir uns zu eigen gemacht haben: "Nur der lebt auf Dauer glücklich, der sich ständig verändert" und... mit einem Geburtstagswunsch: werden Sie bitte Mitglied, soweit Sie noch nicht sind! Alle Vereine leiden z.Zt. unter demselben Problem. Bei uns sehen viele Eltern die Musikschule als Dienstleistungsbetrieb, dem man die Gebühren zahlt und es damit sein Bewenden haben lässt. Ich behaupte aber, dass der Erfolg der Musikschule auch durch den Vereinsstatus bedingt ist und die Zukunft von der Stärke der Mitglieder abhängt. Also: sichern Sie diesen Erfolg durch Ihre Mtgliedschaft!

Vielen Dank

Jochen Dreier, 1. Vorsitzender
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