Forum Lied und Kammermusik - Presseberichte 2003 - 2005
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Jahresplan Forum Lied 04    Kritiken 2002  
Das schrieb die Presse:



NW am 30.08.05:






NW am 26.08.05:

Den schönsten Ton des Lebens

Peter Kreutz Arbeitet beim Sommerkurs für Liedgestaltung mit Detmolder Studenten
VON MATTHIAS GANS

Gütersloh. Es ist warm an diesem Nachmittag. Grell fallen die Strahlen der Sonne in den kleinen Konzertraum der Kreismusikschule. Seit vier Tagen üben acht Studenten der Detmolder Musikhochschule an ausgewählten Liedern. Die ersten drei Tage in Detmold, gestern und heute unter den Augen einer kleinen, aber interessierten Öffentlichkeit in Gütersloh.
Also keine Chance für Erholung oder Schlendrian. Pianist Peter Kreutz, Dozent für Liedgestaltung in Detmold und Initiator des 4. Sommerkurses für Liedinterpretation, weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, um mit den Sängerinnen und Sängern ein konzertreifes Programm einzustudieren. Hochkonzentriert begleitet und kommentiert er am und vom Klavier aus jede verrutschte Phrase, jeden kleinen Betonungsfehler oder falsche Intonation.
Doch man nimmt seine Kritik kaum als solche wahr. Es sind Vorschläge, die er den Teilnehmern unterbreitet, die nicht alle Gesang als Hauptfach studieren. Und doch ist es Kreutz' Wille, das Bestmögliche aus jedem Sänger und jeder Sängerin zu holen.
Vor allem liegt Kreutz die Linie, der große Bogen, ein geschmeidiges Legato am Herzen. "Singen Sie die schönsten Töne ihres Lebens" motiviert er den Tenor Patrick Brandt zu Vokalisen. Unerbittlich ist er beim Rhythmus. Nicht aus bloßer Korrektheit, sondern weil in der rhythmisch richtigen Behandlung des Wortes die Emotion verborgen liegt. Bei der Zeile "Nun schaut er auf zum letzten Mal" aus Schumanns "Der Soldat" empfiehlt er dem jungen Sänger "zeitintensive Konsonanten". Und der chinesischen Sopranistin Ytian Luan rät er in Reichards "Des Mädchens Klage" bei den Worten"Der Eichenwald brauset", die Betonung nicht auf das Verb, sondern auf das Subjekt "Eichenwald" zu legen, der groß und urwüchsig sei. "Der braust ja trotzdem."
Es ist in erster Linie dieses Handwerk, die bewusste Behandlung affektgeladener Worte, die Peter Kreutz den Studierenden vermitteln will. "Deshalb ist es schön, dass alle Studenten dableiben und ihren Kollegen mit den Noten in der Hand zuhören, weil sie wissen: ,Das sind auch Sachen, die mich angehen.'" Natürlich kommt es dann zu Übertreibungen. "Das war überzeugend zuviel", sagt er dann und weist auf eine andere, geglückte Phrase der Sängerin hin: "Hier war ein sehr persönlicher Ton von Ihnen, da kriegt das Publikum solche Lauscher", sagt Kreutz und legt die Hände wie Fächer hinter seine Ohren.
Vorgestellt wird das Ergebnis des Sommerkurses im 3. Konzert der Reihe "Forum Lied" am Samstag, 27. August, um 17 Uhr und am Sonntag, 28. August, 11 Uhr. Für beide Veranstaltungen gibt es noch Karten an der Tageskasse und im Vorverkauf unter ` (0 52 41) 9 25 21 13.

Keine Chance für Schlendrian: Peter Kreutz kritisiert, indem er detaillierte Vorschläge zur Gestaltung von Melodie und Rhythmus bringt. Die Atmosphäre ist freundlich, aber intensiv.


Die Glocke zum Konzert am 26./27.2.:



NW zum Konzert am 26./27.2.:

Die Glocke v. 10.11.04:



Wie gemacht für die Opernbühne

Gütersloh (heu). Konzentrierte Spannung bis zum Schluss ist im Kammermusikraum der Kreismusikschule zu spüren gewesen, als am Samstagnachmittag neun junge Sängerinnen und Sänger im Rahmen des "Forums Lied" ihre Interpretationen präsentierten.
Die Studierenden der Hochschule für Musik in Detmold hatten - wie "Die Glocke" berichtete - dieses Konzertprogramm während der Sommerwochen zusammen mit Professor Peter Kreutz, der sie auch am Flügel begleitete, mit viel Engagement und Freude erarbeitet. Der Pianist sorgte in gewohnt versierter Art für einleitende und verbindende Worte zu den einzelnen Programmteilen.
Zur Einstimmung kündigte Kreutz "Drei Frühlingslieder für dreistimmigen weiblichen Chor" von Woldemar Bargiel an, einem Komponisten des 19. Jahrhunderts, der dem zeitgenössischen Konzertpublikum wenig bekannt ist. Völlig zu Unrecht, wie die eindrucksvollen Lieder, die dann erklangen, belegten. Nicht von ungefähr hat Bargiel eine klassische Musikausbildung und -karriere durchlaufen - als Zeitgenosse von Robert Schumann, Johannes Brahms und Hugo Wolf. Bereits während des ersten Liedes verschmolzen die Sängerinnen ihre schönen Stimmen mit ihrem gesangstechnischen Können und jugendlicher Frische zu einer einzigartigen Synthese.
Mit Hingabe interpretierten die Studierenden Lieder von Schumann nach Gedichten von Justinus Kerner. Mit ihren extrem unterschiedlichen Stimmanforderungen können diese in einem einzigen Konzert meist nicht geboten werden. Im Forum Lied aber ließen sie sich aufgrund der breiten Palette der vorhandenen stimmlichen Möglichkeiten realisieren.
Mit "Licht und Liebe" von Franz Schubert folgte eine wahre "Perle", vorgetragen ohne falsche Süße und kontrastreich gefasst mit Liedern von Hanns Eisler. Dessen "Zeitungsausschnitte", opus 11, thematisieren gleichsam wie in einem Miniaturspiegel die Lebensumstände einfacher Menschen seiner Zeit.
Bei den ausgewählten Duetten und Liedern von Brahms wusste aus all den hervorragenden Leistungen der Interpreten vor allem Esther Mertel mit ihrer fülligen Stimme zu gefallen. Ausgewählte Lieder nach Gedichten von Eduard Mörike bildeten den Abschluss des Konzerts. Zwei weitere Frühlingslieder von Bargiel gab es als Zugabe.
Dass die jungen Künstler außer ihren gesanglichen Talenten auch ihrer schauspielerischen, teilweise gar komödiantischen Begabung Ausdruck zu verleihen wussten, dafür sei stellvertretend der Bariton Kevin Dickmann genannt.
Es fällt jedenfalls nicht schwer, sich diese Stimmen auf einer Opernbühne vorzustellen. Mit ihren dynamischen Möglichkeiten stießen sie in dem Kammermusikraum verständlicherweise schnell an ihre Grenzen.



Bestens disponiert zeigten sich die neun Sängerinnen und Sänger der Musikhochschule Detmold, die, begleitet von ihrem Professor Peter Kreutz am Klavier, das "Forum Lied" mit ausdrucksstarken Interpretationen füllten.
FOTO: Heumüller


Die Glocke v. 3.09.04

"Sommerkursus Liedinterpretation
Feinschliff für Gesangstalente

Von REGINA BOJAK

Gütersloh (gl). "Morgenduft, Frühlingsluft" - beim Eintritt in die Musikschule des Kreises Gütersloh wird der Tag endgültig perfekt. Zwar ist der Sommer fast vorbei, aber draußen strahlt die Sonne, und passend dazu klingen sechs klare, kraftvolle Frauenstimmen durch das Haus an der Kirchstraße 18. Unter den kritischen Augen und Ohren Professor Peter Kreutz' singen sie Mörike-Lieder von Hugo Wolf.

Und Peter Kreutz ist sehr kritisch. Während dem laienhaften Besucher ob der wunderschönen Stimmen kalte Schauer den Rücken herunter laufen, findet der Pianist und Hochschullehrer deutliche Worte. "Ihr müsst den Frühling nicht anbrüllen. Lasst ihn doch einfach aufblühen", ist sein Kommentar nach einer Passage. Er singt den sechs jungen Frauen kurz vor, wie es besser klingen könnte, und lässt sie dann wieder einsetzen: "Dem Frühling, dem Frühling entge-he-gen." Immer wieder ermuntert Kreutz die Sängerinnen, ruhig etwas eitler zu sein. "Wenn ihr merkt, dass es eine besonders schöne Stelle ist, darf der erste Sopran auch ruhig deutlich zu hören sein. Ihr seid die Oberstimme." Nach einer guten halben Stunde entlässt Peter Kreutz die Studentinnen der Musikhochschule Detmold. Der nächste Musikstudent gesellt sich zu ihm an den Flügel.
Insgesamt sechs Studentinnen und zwei Studenten mit dem Hauptfach Gesang nehmen in diesem Jahr am Sommerkursus "Liedinterpretation" teil. Diese Sommerkurse veranstaltet Peter Kreutz in diesem Jahr zum dritten Mal. "Wir lernen hier zum Beispiel, wie man Stimme und Klavier besser zusammenwirken lassen kann oder wie man ein Strophenlied interessant gestaltet", erklärt Esther Mertel, was für sie die Teilnahme an dem einwöchigen Kursus so wichtig macht.
Johann Penner, Tenor aus Russland und Student des Fachs Schulmusik an der Hochschule für Musik in Detmold, erfährt gerade ganz persönlich, wie aufmerksam Kreutz seine Schüler beobachtet. Der Sänger steht allein neben dem Flügel und singt die "Wanderung" der Kerner-Lieder von Robert Schumann. "Ich habe nichts verstanden", sagt Peter Kreutz nach der Passage "ihr Bäume, ach ihr Hügel" und hängt ein paar unverständliche Laute aneinander, um dem Gesangsschüler zu verdeutlichen, wie es sich angehört hat. Dabei wirkt er nie verletzend. Auch die Zuschauer merken ihm an, dass er Spaß an der Arbeit mit den jungen Musikern hat. Und die haben genug Selbstbewusstsein, um über sich selbst lachen zu können und es beim nächsten Einsatz besser zu machen. Wenn nach dem zweiten oder dritten Versuch der Gesang endlich so klingt, wie er soll, huscht das zufriedenste Lächeln über das Gesicht des Lehrers.
Wer die Gesangsstudenten selbst bei den Proben erleben möchte, hat dazu am heutigen Freitag noch die Gelegenheit. Die Musikschule ist von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Kommen und Gehen nach Bedarf ist ausdrücklich erwünscht.



Neue Westfälische und Die Glocke v. 8.06.04
Verträumte Atmosphäre

"Forum Lied" spielt Dvorak und Brahms -

Gütersloh (sam). "Wie komm ich denn zur Tür herein?" fragt sich der arme junge Mann und zum Glück hat sein "Feinsliebchen" ein paar Ideen auf Lager, wie man den Hofhund und die werte Mutter ablenken kann um den Geliebten ins Haus zu schleusen. Immer wieder die Liebe: das ist das große Thema vieler alter Volkslieder, Eine Auswahl von Liedern der Komponisten Antonin Dvorak und Johannes Brahms ist am vergangenen Wochenende in der Reihe "Forum Lied" der Kreismusikschule dargeboten worden.
Den Anfang machte Sopranistin Meike Leluschko mit den Liebesliedern Dvoraks. Zart und zögernd kamen diese daher, und immer mit vielGefühl interpretiert. Schnell fühlte sich der Zuhörer in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Wie kleine Märchen erzählte jedes Lied seine eigenen Geschichte über die vielen Gesichter der Liebe: von der unschuldigen und der leidenschaftlichen Liebe, von der unerwiderten und der hoffnungsvollen Liebe, von Anfang und Ende so mancher Liebelei.
Den zweiten Teil der ersten Hälfte bildeten Dvoraks Zigeunermelodien. Diese folkloristischen Lieder standen mit ihrer zupackenden und selbstbewussten Art im deutlichen Gegensatz zu den eher schüchternen Liebesliedern. Das Kinn stolz nach vorn gereckt gab Vera Semieniuk im Mezzosopran die leidenschaftliche Zigeunerin, der ihre Unabhängigkeit immer genauso wichtig ist, wie die Liebe. "Hat Natur, Zigeuner, etwas dir gegeben? - Ja, zur Freiheit gab sie mir das ganze Leben".
In der zweiten Hälfte standen ausgewählte deutsche Volkslieder von Johannes Brahms auf dem Programm. Meike Leluschko und Vera Semieniuk interpretierten im Wechsel 16 von insgesamt 42 Liedern Brahms. Höhepunkte waren dabei sicher die Stücke, bei denen die Sängerinnen miteinander im Dialog standen. Das freche Spiel der Liebenden zwischen heißer Zuwendung und kalter Abweisung brachten die beiden Künstlerinnen wie ein kleines Schauspiel auf die "Bühne" des Kammermusiksaals.
Peter Kreutz begleitete seine Sängerinnen am Klavier und führte charmant und anschaulich durch das Programm. Meike Leluschko und Vera Semieniuk schufen mit ihren großen Stimmen und viel Liebe zum Lied eine verträumte und märchenhafte
Atmosphäre. Am Ende des etwa einstündigen Konzerts blieb da nur eins zu sagen: einfach zauberhaft.




Westfalen-Blatt v. 8.06.04
Makellos und maßgerecht

Konzert des "Forum Lied 2004" - von Karl Heinz Spreyer

Gütersloh (WB). Sie waren große Komponisten, die neben ihrem bedeutenden sinfonischen Schaffen auch Meister zahlreicher Lieder waren: Johannes Brahms und Antonin Dvorak. Der eine, Brahms, war schon berühmt, als er dem acht Jahre Jüngeren zu einem Stipendium verhalf und ihm damit den Weg über die Grenzen seiner tschechischen Heimat öffnete. Ausgewählte Lieder der beiden Meister brachte der Pianist Peter Kreutz im zweiten Konzert der beliebten Reihe "Forum Lied" am Wochenende in der Kreismusikschule.
In den jungen, schon recht erfolgreichen Sängerinnen Meike Leluschko (Sopran) und Vera Se-mieniuk (Mezzosopran) fand er dabei zwei ausgezeichnete Solistinnen. Die Künstlerinnen erlebten wir bereits vor knapp zwei Jahren zum Abschluss der Sommerkurse "Lied-Interpretation Detmold/Gütersloh", die auch in diesem Jahr am 11. und 12. September in der Kreismusikschule ausklingen.
Den jungen Damen fehlt es zwar noch an einer gewissen Routine, aber sie bezauberten durch makellose Stimmen und viel Anmut, maßgerechte Tongebung und exakte Aussprache in dem Programm, das Peter Kreutz subtil einstudiert hatte. Der Pianist selbst brillierte mit blühenden Überleitungen und reicher virtuoser Klangfülle und führte sachkundig in die Werke ein.

Den Beginn machte Dvorak, dessen 100. Todestag in diesem Jahr gedacht wird, mit einer Auswahl seiner Liebeslieder (op. 83), die Vera Semieniuk mit kräftiger Mezzo-Stimme, aber auch sensibel mit warmem Timbre erfüllte. Ohne Pathos hörten wir das beschwingte "Ich schleich um jenes Haus herum", das sehnsuchtsvolle "Ich weiß, dass meiner Lieb' zu dir", das versonnene "Im tiefen Wald" und das flehende "Du einzig Teure".
Mit Dvoraks beliebten Zigeuner-Melodien (op. 55) setzte Meike Leluschko die Partie fort; flexibel und voluminös in Höhe und Lyrik der Stimme. Zunächst das romantische "Rings ist der Wald so stumm", lebhaft danach "Reingestimmt die Saiten" und im schwungvollen Presto "Darf des Falken Schwinge".
Sechzehn ausgewählte Deutsche Volkslieder von Johannes Brahms folgten daraufhin im zweiten Teil, des Konzertes, den die Solistinnen im Wechsel oder auch in schelmisch-schalkhaften Dialogen darboten. Strahlend das "Wach auf mein Herzensschöne" des Soprans, dem die Partnerin "All mein Gedanken" und das gedämpfte "Es ging ein Mägdlein zarte" folgen ließ.
Weisen wie "Es steht ein Lind", das verspielte "Wach auf, mein Hort" und andere. In Frage und Antwort dazwischen die Dialoge "Ach könnt ich diesen Abend" und "Wie komm ich denn zur Tür herein?", das die beiden sympathischen Künstlerinnen nach begeistertem Beifall der bestens unterhaltenen Zuhörer wiederholten.


Die Glocke und Neue Westfälische am 2.03.04
Eigensinnig aber spannend

Auftaktkonzert zu "Forum Lied 2004 "- VON CONSTANZE NATOSEVIC

Eine faszinierende Begegnung mit musikalischen Raritäten bot das erste Konzert der Reihe "Forum Lied" am Samstag im Kammermusikraum der Musikschule für den Kreis Gütersloh. Terzette von Carl Reinecke, Franz Schubert und Gustav Holst standen auf dem Programm.
Weder im Druck erschienen, noch als Aufnahme vorhanden sind die "Zehn Gesänge für drei weibliche Stimmen mit Begleitung des Pianoforte in carionischer Weise komponiert" von Carl Reinecke. Pianist Peter Kreutz und die drei Sängerinnen Esther Mertel, Johanna Winkel und Dshamilja Kaiser präsentierten mit diesen überaus reizvollen, ganz und gar dem Geist der Romantik verschriebenen Liedern eine wahre Besonderheit. Bevor das Werk in Gänze erklang, führte Peter Kreutz das Publikum mit erläuternden Worten und Klangbeispielen in die Musik ein und weckte die Aufmerksamkeit der Zuhörer für bestimmte Charakteristiken einzelner Lieder.
Das Naturerlebnis bestimmte überwiegend die vertonten Texte, mal schwärmerisch-impulsiv wie etwa in "Lob des Frühlings" nach Ludwig Uhland, mal schwermütig und elegisch oder auch geheimnisvoll und rhythmisch betont in dem Lied nach Eichendorffs Gedicht "Elfe".
Den drei Sängerinnen gelang es hervorragend, die unterschiedlichen Stimmungen lebendig zu gestalten. Geschmeidig fügten sich die Stimmen zu einem homogenen Klanggebilde.
Peter Kreutz war am Flügel weit mehr als nur hoch versierter Begleiter. Mit seinem bis ins kleinste Detail nuancierten Spiel wusste er jeder Passage, jedem einzelnen Motiv Leben einzuhauchen und den musikalischkompositorischen Sinn fühlbar zu machen. Mit federleichtem Anschlag spielte er die perlenden Arpeggien, die den sanften Abendwind im gleichnamigen Lied widerspiegeln, mit genauestens dosierter Dynamik gestaltete er die ebenso schlichten wie ausdrucksstarken Bassmotive in Schuberts "Coronach", das im zweiten Teil des Konzerts zu hören war neben dem choralartigen "Das große Hallelujah" O 442 nach Friedrich Gottlieb Klopstock, das mit Kompositionstypen des Barock spielte.
Abendland und Orient trafen in den "Choral Hymns from the Rig Veda" von Gustav Holst aufeinander. Der englische Komponist wirkte auch als Orientalist und verfasste eine eigene Übersetzung dieser ältesten indischen Heiligen Schrift, die er dann auch in Musik umsetzte.
Ausdrucksintensiv mischen sich hier traditionelle westliche und orientalische Musiksprache, gregorianische Anklänge vermitteln mystische Stimmung, ebenso Parallelen und harmonische Rückungen. West und Ost sowie alte und neue Musik kommen hier zusammen. Esther Mertel, Johanna Winkler und Dshamilja Kaiser brachten gemeinsam mit Peter Kreutz diese spannende und eigenwillige Musik dem Publikum mit Können, Engagement und großer Lebendigkeit näher.
Die Zuhörer im gut besuchten Saal honorierten dieses beeindruckende Programm mit anhaltendem Beifall.



Drei Stimmen, ein Programm voller Überraschungen: Beim Eröffnungskonzert vom "Forum Lied" begeisterten (von links) Dshamilja Kaiser, Johanna Winkel und Esther Mertel. Bild: Natosevic

Neue Westfälische am 11.11.03
Üppige Melodien vom Klavier umrauscht

Tolles Finale der Reihe „Lied und Kammermusik"- VON MATTHIAS GANS

Gütersloh. Auch beim zweiten und dritten Blick sei keine Verwandschaft zwischen den einzelnen Liedgruppen feststellbar, sagte Peter Kreutz zu Beginn der Liedermatinee in der Kreismusikschule. So sehr ist man gewohnt, vom Pianisten und künstlerischen Leiter der Reihe „Lied und Kammermusik" in der Kreismusikschule eine genauestens durchdachte Konzert-Dramaturgie geboten zu bekommen, dass deren Fehlen beim diesjährigen Abschluss-konzert eindeutig deklariert werden musste.
Es war eine bunte musikalische Wanderung am Samstagnachmittag und Sonntagmorgen. Mit Peter Kreutz als bestens instruiertem Reiseleiter, der sich mit einem Infekt im Ohr am Samstag frühzeitig von seiner Reisegesellschaft verabschieden musste, am Sonntag aber glücklicherweise und höchst beglückend durchspielen konnte. Und Christina Schültke (Sopran) und Ulrike Mayer (Mezzosopran) als hervorragend disponierten Interpretinnen stilistisch divergenten Liedguts. Das schönste an dieser wunderbaren Liedreihe ist wohl, die Entwicklung von Sängerinnen und Sängern aus Kreutzens Detmolder Liedklasse zu verfolgen. Am Wochenende präsentierten sich erneut zwei außerordentlich gereifte Persönlickeiten dem fachkundigen Publikum.
Ulrike Mayer gelang es dabei, ihren Mezzo in Joaquin Turinas "Canciones" ebenso klangrein in der Höhe wie mit deutlich angereicherten Brustregister in den vom Flamenco inspirierten Liedern erklingen zu lassen, ohne den artifiziellen Charakter der Lieder zu unterschlagen. Sehr viel Einfühlungsvermögen, Sinn für die formale Disposition der Lieder und deren kunstvoll gestaltetes Seelenleben erwies Ulrike Mayer bei ausgewählten Liedern von Johannes Brahms.
Christina Schültke, die mit den vier Mignon-Liedern op.98a von Robert Schumann überragende Gestaltungskraft bewies, konnte neben ihrem wunderbar leicht, aber genau geführten Sopran auch ein beachtliches darstellerisches Talent in Mussorgskys „Kinderstube" beweisen. Charmanter, witziger, dabei musikalisch völlig kontrolliert, wurden diese scheinbar einfachen Liedchen zu wahren Kabinettstückchen. Beachtlich!
Den Schmelz beider Stimmen in Tschaikowskys üppig wuchernden, klavierumrauschten Romanzenmelodien hören zu dürfen, war die beste Werbung für ein neues Liedabonnement dieser Reihe fürs nächste Jahr. Ohne Theater ist es in Gütersloh schon schlimm genug.



Damenduo mit Pianist: Christina Schültke, Ulrike Mayer und PeterKreutz. FOTO: BRUNE


Glocke und Neue Westfälische am 14.10.03s
Auch der Spaß musiziert mit

Amesis-Trio spielt Beethovens "Gassenhauer"

Gütersloh. "Ihre Kompositionen sind wirklich sehr beachtlich, besonders für eine Frau", so urteilte einst Franz Liszt über die Werke Clara Schumanns. Ein großes Lob in einer Zeit, in der die Vorurteile gegenüber schöpferischer Arbeit von Frauen fest zementiert waren. Trotz ihrer Erfolge übernahm Clara Schumann diese Ansicht und notierte in ihrem Tagebuch: "Ein Frauenzimmer muss nicht komponieren wollen." Zum Glück tat sie es doch, und 1846 entstand ihr Klaviertrio g-Moll op. 17.
"Ein schönes Stück", befand Michael Corßen in seiner Begrüßungsrede zum Konzert des Amesis-Trio am Sonntag in der Kreismusikschule. Mit jenem Werk eröffnete das Ensemble sein Programm, das ganz der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewidmet war.
Hoch konzentriert und mit spürbarem Feingefühl musizierten Katja Ziegenhain, Klavier, Sonja Matakas, Violine und Michael Corßen, Violoncello. Mit Intensität und spielerischer Präzision intonierte das Amesis-Trio die vier Sätze. Deutlich wurde der reizvolle Kontrast zwischen Unisonoparts und Imitation in den beiden Streicherstimmen, die kunstvoll den dichten Klavierpart umwoben. Tänzerisch leicht ertönte das Scherzo, als wehmütiger Walzer das an die Stelle des dritten Satzes gerückte Andante. Der Ideenreichtum, den Liszt der Komponistin bescheinigte, fand sich stets aufs neue bestätigt.
Mit einer Komposition von Ludwig van Beethoven ging es dann rund 40 Jahre in der Musikgeschichte zurück. "Ich bin der Schneider Kakadu", war zu Beethovens Zeiten ein echter Gassenhauer, was den Komponisten zu zehn Variationen über diese Melodie inspirierte. Von zwei Seiten kann man dieses Werk betrachten, entweder humoristisch, denn einiges spricht dafür, dass Beethoven mit einem Augenzwinkern die Sache anging, oder auch als Demonstration kompositorischen Könnens, wieviel aus so einem simplen Thema von einem Meister herauszuholen ist. Das "Amesis-Trio" entschied sich für die humoristisch-ironische Interpretation - und brachte das Publikum zum Schmunzeln.
"Jetzt tun wir uns selbst etwas Gutes", so kündigte Michael Corßen das dritte und letzte Werk des Programms an, das Trio d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ein groß angelegtes Werk, das höchste Anforderungen an die Instrumentalisten stellt. Besonders der Klaviersatz verlangte ein immenses Maß an Virtuosität. Katja Ziegenhain erwies sich da als brillante Pianistin, die mit perlenden Arpeggien, ebenso leichtem wie kraftvollem Anschlag und genauer Phrasierung zu überzeugen wusste. Zupackend klang der Cellopart, sicher und auf den Punkt die Violine. Die Zuhörer honorierten das gelungene Konzert mit anhaltendem Beifall. Als schmissige Zugabe erklang ein „Ungarischer Tanz" von Johannes Brahms.
Dr. Constanze Natosevic



Neue Westfälische am 22.9.03
Auf Flügeln des Gesanges

Viel Temperament beim Abschluss des "2. Sommerkurses Liedinterpretation" - VON KERSTIN BRUNE

Gütersloh. Schumanns Jüngling räkelt sich wie letzte Woche unterm Rosenbusch und wartet, von zwei aus dem Gehölz steigenden Grazien umgarnt zu werden. Vor ein paar Tagen hätte er vielleicht noch die ein oder andere Chance zur Flucht gehabt. Doch dem koketten Charme, den die acht Gesangs-Studentinnen der Musikhochschule Detmold seitdem auf höchstem Niveau kultiviert haben, kann nun beim besten Willen weder der Jüngling noch irgendein Ohren-Zeuge des Abschluss-Konzerts zum "2. Sommerkurs Liedinterpretation" im Rahmen der Reihe "Forum Kammermusik" widerstehen. Kein Zweifel: Der Sänger-Nachwuchs, den Peter Kreutz fünf Tage lang väterlich wärmend unter seinen Flügel genommen hat, ist interpretatorisch flügge geworden.
An Schuberts luzide kredenztem Quartett "Der Herr ist meine Hirte" manifestiert sich allerdings gleich zu Anfang des Konzerts - neben dem Ausbau an kenntnisreicher Hingabe - auch die große produktive Gemeinschaftlichkeit, mit der die Sängerinnen eine Woche lang abwechselnd geprobt und einander gelauscht haben.
Und so eine "Eröffnungs-Zugabe" darf man außerdem schon allein auf Grund des ergreifenden Erlebnisses verlangen, Hyunmi Choi mit ihrem kraftvollen, aus tiefster Seele heraus leuchtenden Sopran Ehepaar-Schumann-Lieder vergolden zu hören. Hier beweist Clara Schumann - hält man ihre Werke mit so viel echter Emphase neben die Rückert-Vertonungen ihres Gatten - wie prächtig Schönheit doch auf dem Nährboden schlichter, purer Sanglichkeit gedeiht.
Auf selbigem wandelt auch Christine Bohnenkamp. Der Passgenauigkeit, mit der die Mezzosopranistin stimmliche Gesten absolut ausgewogen führt, hört man ihre ausgeprägte Studien-Erfahrung an: Ihr gelingt eine durch und durch idiomatische Interpretation, die aus einer farbenreichen Mahler-Palette schöpfen kann.
Noch tiefer darf Karthrin Remmert mit ihrem wunderschönen Alt in den Farb-Topf greifen: Gerade die extrovertierten großen Bögen, über denen Mendelssohn die Flügel des Gesanges breitet, geraten ihr prachtvoll und geben Aufwind für viel vitale Frische, gepaart mit romantisch-naiver Unbelastetheit.
Solche schwärmerische Naivität scheint Nicole Pieper dagegen längst vergangen zu sein: In temperamentvoller Wut lässt sie ihren funkelnden, schlank geführten Sopran von der Leine und hetzt ihn mit viel Spielwitz auf den untreuen Galan. Nebenher kann sie sich den Ruhm für drei blitzsauber gezauberte Schumann-Duette schwesterlich mit Julia Husmann teilen, an deren weich schwingende, dunkel-samtige Stimme gekuschelt der Schubert`sche "Alte" eines geradezu traumhaften Todes stirbt.
Anne Baumgartes hingegen belebt gewaltig, und zwar Brahms - mit schönem, rundem Alt-Klang, der wohl eine ideale Präsentationsform für diese Musik ermöglicht. Und gerade im kleinbäuerlichen Klagen, das die hochkomplizierten und rhythmisch elektrisierenden Dvoràk-Duette anstimmen, schimmert die Eigenart ihrer erdverbundenen stimmlichen Gradlinigkeit im direkten Vergleich mit der deklamatorischen Sprühkraft von Meike Leluschko sehr schön auf.
Manche Duett-Form kommt dagegen regelrecht "getarnt" daher: Hugo Wolf zum Beispiel hat Vokal- und Klavier-Part als Gleichberechtigte in sein "Italienisches Liederbuch" eingetragen. Lied-Gesang ist eben nicht immer gleich Lead-Gesang: Einerseits wollen gestaltend die komplexen Melodielinien ausgefüllt sein. Andererseits hat sich Sopranistin Meike Leluschko in einen ungemein reichen, polyphon verästelten Klavierpart zu integrieren, der mit massig ironischem Couleur ihre fabelhaft bissigen Zynismus-Attacken kommentiert.
Wobei man sicherlich sagen muss, dass dem hingerissenen Publikum hier ganz besonders ihr riesiges gestalterisches Talent in Erinnerung bleiben wird, mit dem sie es am Kragen zu packen und kräftig durchzuschütteln weiß - da kann die durch und durch phantastisch sensibel und temperamentvoll glänzende "Begleit-Erscheinung" Kreutz noch so sehr mit dem Flügel flattern!



Hinter`m Flügel des Gesanges: Peter Kreutz, Hyunmi Choi, Nicole Pieper, Kathrin Remmert, Julia Husmann, Meike Leluschko, Anne Baumgarte und Christine Bohnenkamp (v.links) FOTO: BRUNE


Neue Westfälische
am 13.9.03
"Wir genießen also den Jüngling..."

Anschaulicher Unterricht im "2. Sommerkurs Liedinterpretation"
- VON KERSTIN BRUNE

Gütersloh. Wer im vergangenen Sommer Peter Kreutz bei der musikalischen Berleuchtung der Schubert`schen Goldorange beobachten durfte, der konnte sich auch bei dessen diesjähriger öffentlichen Proben-Arbeit mit neun Gesangsstudentinnen der Musikhochschule Detmold sicher sein: Da mag Dieter Bohlen noch so mediokren zahnspängige Teens zusammenfalten - unterhaltsamer als im "Sommerkurs Liedinterpretation" kann Talent-Förderung nicht sein!
So unterschiedlich die Kenntnisse sind, die die Zweit- bis Zwölftsemester über Lied-Gestaltung mit in die fünf Probentage bringen, so bestechend gleichbleibend ist die Klarheit, mit der Peter Kreutz die jungen Sängerinnen mit bildhaften Anweisungen auf die richtige Bahn setzt - " aber bitte dann nicht während der Fahrt darüber nachdenken!" "Weniger kochen - sing` das doch mal so `n bisschen toter!", weist er Hyunmi Choi an - und sofort wird der totere Schumann lebendig, knisternd zwischen drängendem Aufbegehren und lebloser Starre, die ihr leuchtender Mezzo-Sopran wunderbar nachzeichnet. "Das sind jetzt aber keine Sängerwerte, bitte!" Die werten Sänger grinsen. Man kann also die vermeintlich unvereinbaren, starken Brüche zwischen den lichten und düsteren Passagen im Clara-Schumann-Lied ausdrücklich zum Thema der Gestaltung machen. Gleiches gilt für die Duette, die die Studentinnen in drei verschiedenen Gruppierungen für die Abschlusskonzerte am nächsten Wochenende vorbereiten. Hier geht es allerdings gänzlich untot los: Nicole Pieper und Julia Husmann sollen vor der "Ersten Begegnung" mit Schumanns "Spanischem Liederspiel" mal "abchecken, ob Muttern so weit in Stimmung ist, dass man mit dem schlanken Jüngling um die Ecke kommen kann", den Genuß seines Anblicks spüren. "Aha, wir genießen also den Jüngling..." "DAS isses!"
Die zeitübergreifende Eingängigkeit dieser Vorstellung verfehlt ihre Wirkung dann auch nicht, das Duett bebt regelrecht vor mädchenhafter Erregung, gepaart mit geschlechtsspezifischer "Schnatterliesen-Mentalität". Die größte Stärke des Kreutz`schen Unterrichtens - und davon profitieren Sängerinnen und Publikum gleichermaßen - macht eben (natürlich neben der höchst aufmerksamen, differenzierten und helfenden Begleitetung am Flügel) die überaus sympathische Annäherung an den enormen emotionalen Gehalt eines Liedes aus, mit dem sich die Interpretin bestenfalls so stark identifiziert wie Meike Leluschko, die mit Hugo Wolfs "Italienischem Liederbuch" dem Hörer unmittelbar ans Herz greift. Gleichzeitig sensibilisiert Kreutz die Sängerinnen für eine idiomatische Gestaltung und die formale Gewichtung zwischen Stimme und Klavier-Part: Hier perlende Hintergrundmalerei, dort, bei Wolf, darf sich die Stimme gerade mal als Gleichberechtigte zu einer hoch eigenwertigen Klaviermusik setzen.
Klar, Manches ist natürlich noch leichter gesagt als gesungen, wenn sich selbst Wortendungen auf "mpft" als kleine fiese Widerhaken erweisen, die noch unter der rettenden Fermate dem "Nachtlied" des Schubert`schen Alten böse Klinken ins elegische Wogen reißen können. Von diesen kleinen Stolperfallen werden die Schubert-, Brahms-, Schumann-, Mendelssohn-, Dvorak-, Wolf- und Mahler-Lieder sicherlich mit emotionalem Elan befreit sein - bis zu den beiden Abschluss-Konzerten am 20. und 21. September im Haus der Kreismusikschule, auf die man sich sehr freuen darf!



Frühlings-Gefühle, gewusst, wie: Peter Kreutz lehrt Julia Husmann (Alt) und Nicole Pieper (Sopran; v. links) die musikalische Annäherung an den "Jüngling".

Die Glocke am 17.6.03
Ein rundum gelungenes Wagnis

Forum Lied und Kammermusik - Von Constanze Natosevic

Gütersloh (gl). Eine eher seltene Besetzung gab es am Sonntag in der Reihe „Forum Lied und Kammermusik": Silvio Dalla Torre, Kontrabass, und Matthias Petersen, Klavier, präsentierten sich als Duo in der Kreismusikschule und spielten Werke aus Klassik und Romantik.
Selten ist diese Besetzung nicht zuletzt deswegen, weil das Repertoire gering ist. Zu den wenigen Originalkompositionen gehören Werke von Domenico Dragonetti, der selbst Bassist und reisender Virtuose war. Mit seinem lyrisch-melancholischen Andante und dem anschließenden frischen Rondo eröffneten die beiden Musiker ihr Konzert.
Das sensible Spiel von Silvio Dalla Torre bewies umgehend, dass auch der Kontrabass vielfältige Klangmöglichkeiten besitzt und nicht etwa nur als Fundament in den Tiefen zu gebrauchen ist. Leichtfüßige Kantilenen gelangen dem in Kempten geborenen Musiker ebenso wie spannungsgeladene Pizzicati und natürlich ultratiefe, massige Basstöne. Etwa in Alexander Glasunows „Elegie". Gesanglich-poetische Passagen umrahmten einen dramatischen Mittelteil - ein reizvoller Kontrast, den beide Interpreten ausgereift in Szene setzten.
Matthias Petersen war dabei weit mehr als nur Begleiter. Mit glasklarem Anschlag, genau dosiertem Pedalspiel und dynamischer Vielschichtigkeit gelang ihm ein Klavierpart, der zusammen mit dem Kontrabass einen präzisen und ausdrucksvollen Dialog bildete.
Wenn Originalkompositionen rar sind, so liegt es nahe, auf Bearbeitungen zurückgreifen. Ursprünglich für Horn konzipierte Ludwig van Beethoven die Sonate op. 17, arrangierte sie dann für Violoncello, „die kleine Schwester des Kontrabasses", wie Silvio Dalla Torre augenzwinkernd erklärte.
Fanfarenartig und schnörkellos war der Auftakt zur dreisätzigen Beethoven-Sonate, die durch die jeweils ganz unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Sätze bestach. Als ein - durchaus bekanntes - Problem erwies sich lediglich hier und da die Intonation, denn was auf Violine oder Cello kleine Bewegungen auf dem Griffbrett bedeutet, das sind auf dem Kontrabass im Vergleich dazu riesenhafte Sprünge.
Doch das war nebensächlich. Silvio Dalla Torre und Matthias Petersen überzeugten mit feinfühligem, flexiblem und ausdrucksintensivem Spiel, das punktgenau die musikalischen Stränge zu einem dichten, aber durchsichtigen Klanggewebe flocht. Das bewies nicht zuletzt die ungewöhnliche Umsetzung von Robert Schumanns „Liederkreis". „Ein Wagnis", wie Dalla Torre erklärte, aber ein gelungenes.


Als kongeniales Duo erwiesen sich Matthias Petersen am Klavier und Silvio Dalla Torre am Kontrabass

Die Glocke am 6.5.03 und Neue Westfälische am 8.5.03:
Purer Schönklang

Dong-Seok Im singt Schuberts "Die Schöne Müllerin" - VON MATTHIAS GANS

Gütersloh. "Die schöne Müllerin" als das lichte, unkomplizierte Gegenstück zur düsteren "Winterreise"? Mit dieser Formel wird man diesem Liederzyklus Schuberts wohl kaum gerecht. Wer von Peter Kreutz die exzellente Einleitung gelesen und die Einführung zum dritten Konzert der Reihe Forum Lied und Kammermusik in der Kreismusikschule am Samstag und Sonntag mitverfolgt hat, dem werden Zweifel an einer so naiven Auslegung der Sachlage gekommen sein.
Denn wer genau liest und hört, dem wird die romantische Ironie in der Dichtung Wilhelm Müllers nicht entgangen sein, ebenso wenig allerdings auch die Brüchigkeit der Musik Schuberts, die in merkwürdigem Widerspruch zur literarischen Vorlage zu stehen scheint.
Wie nun als Interpret damit umgehen? Man kann, Peter Kreutz weist daraufhin, gerade diese Brüche und die vermeintliche Volkstümlichkeit der Lieder zum Thema machen, wie es Christoph Marthaler in seiner Zürcher Inszenierung radikal gemacht hat. Oder aber man identifiziert sich als Interpret so sehr mit dem Müllersburschen, dass den Hörer die Tragik dieser Figur unmittelbar ans Herz greift.
Das vermochte der Tenor Andreas Schön in seiner denkwürdigen Darstellung vor drei Jahren an gleichem Ort. Mit diesen beiden Interpretationsvarianten im Gedächtnis präsentiert der südkoreanische Tenor Dong-Seok Im dem solcherart vorbelasteten Hörer keine schlechte Lösung. Er versucht nicht das Stück (oder sich am Stück), sondern belässt es bei einer sensiblen, gleichwohl Distanz erkennenden Vermittlung des Zyklus. Und das mit einer Stimme, die in ihrer vitalen, nie grob wirkendenden Frische, ihrer gewissermaßen romantisch-naiven Unbelastetheit, mitzureißen weiß.
Gerade die extrovertierten Stücke der "Müllerin" geraten dem 31-jährigen Tenor prächtig. Seine Mittellage ist genau fokussiert, in dynamischen Aufschwüngen bleibt ihm seine Stimme treu.
Lediglich bei manchen Im piano zu singenden Spitzentönen, etwa dem abschließenden Nachtgruß der Müllerin im fünften Lied, gelingt ihm eine Verschmelzung von Kopf- und Bruststimme noch nicht perfekt, scheint der Ton zu wenig gestützt. Gut geraten ihm allerdings, und da schimmert die lyrische Eigenart seiner Stimme schön auf, die Diminuendi im "Morgengruß", die die Strophenenden wunderbar weich abschließen. Auch mit der deutschen Aussprache hat Dong-Seok Im keine Schwierigkeiten, nicht einmal im auch bei Muttersprachlern gefürchteten "Der Jäger".
Eine sympathische Annäherung dieses Sängers an ein zentrales Werk des Liedschaffens, von Peter Kreutz höchst aufmerksam und differenziert, auch helfend begleitet. Die Fragen, die Peter Kreutz in seiner Einleitung ob des zwiespältigen Charakter des Stückes aufwarf, konnten sich in dieser auf ungefährdeten Schönklang setzenden Interpretation allerdings nicht widerspiegeln.




Die Glocke am 25.03.03 und Neue Westfälische am 27.3.03:
Barocke Mini-Opern

Ensemble "Lingua Franca" in der Kreismusikschule - VON CONSTANZE NATOSEVIC

Gütersloh. Der Kammermusikraum der Kreismusikschule schien fast in eine kleine Opernbühne verwandelt, mit solch dramatischer Ausdruckskraft interpretierten dort am Samstag die vier Mitgliedern des Ensembles "Lingua Franca" italienische Kantaten des Barock.
Felicitas Jacobsen, Sopran, Thorsten Bleich, Laute, Jörg Jacobi, Cembalo und Michael Corßen, Violoncello präsentierten dem Publikum musikalische Preziosen, die heute eher selten zu hören sind, im 17. und frühen 18. Jahrhundert jedoch eine bedeutende Gattung darstellten.
Diese Miniaturen hatten beinahe den Charakter eines Statussymbols: Fürsten und Bischöfe gaben die Kompositionen in Auftrag, um sie dann vor kleinem, erlesenem Kreis von den damals besten und berühmtesten Sängern vortragen zu lassen. Und die Komponisten zeigten hier auf dem Gebiet einer "kleinen" Gattung großes Können.
Mit Alessandro Scarlattis Kantate "II Rosignuolo (Die Nachtigall) führte "Lingua Franca" die Zuhörer ein in diese glanzvollen, höfischen Kunststücke. Jörg Jacobi führte mit kundiger Moderation durch das Programm und brachte dem Publikum Werke und Komponisten näher, erläuterte musikalische und geschichtliche Zusammenhänge.
So erfuhr man, dass etwa Georg Friedrich Händel über 150 solcher Kantaten komponiert hat und das überaus erfolgreich. Eines der damals berühmtesten Werke jener Gattung stammt aus seiner Feder: "La Lucrezia". Jörg Jacobi hatte durchaus Recht, wenn er diese Kantate als "Mini-Oper"' bezeichnete. Das Publikum konnte sich umgehend davon überzeugen und war schon nach wenigen Takten mittendrin in dieser hochdramatischen Szenerie der tugendhaften Römerin, die, um die Ehre der Familie zu retten, den Freitod wählt.
Die Sopranistin Felicitas Jacobsen bewies hier nuancierte stimmliche Ausdrucksfähigkeit und darstellerische Flexibilität. Lebendig akzentuiert verstand sie es, die tragische Situation der Rolle gesanglich umzusetzen und für den Zuschauer fühlbar zu machen. Wie in der Oper wechselten Arien und Rezitatitative. Die drei Instrumentalisten des Ensembles begleiteten den Gesangspart mit höchster Intensität und Einfühlsamkeit. Deutlich erkennbar waren die musikalischen Affekte. Temperamentvolle Virtuosität und zarte Kantilenen illustrierten die innere Entwicklung der Titelfigur.
Für klangliche Abwechslung sorgten instrumentale Soli. Zunächst spielte Thorsten Bleich auf der Barockgitarre Preludio und Ciaconna von Francesco Corbetta, eine reich verzierte, elegante Musik, in der zwischen brillanten Ornamenten das eigentliche Thema durchschien. Cembalist Jörg Jacobi stellte die Transkription eines Vivaldi-Konzert vor, eine Bearbeitung einer englischen Prinzessin, die Anfang des 18. Jahrhunderts diesen Klavierauszug fertigte. Das Konzert gehörte zur Sammlung "La Stravaganza", in denen der Komponist die Grenzen des im Barock musikalisch Denkbaren austestet. Unüberhörbar war die virtuose, orchestrale Anlage des Werks. Jörg Jacobi meisterte die vielstimmigen "Extravaganzen" und Raffinessen dieser Musik mit Bravour.
Eine Kantate desselben Komponisten schloss dieses charmante und packende Konzert ab, das mit kräftigem Beifall belohnt wurde.


Machten die Kreismusikschule zur Opernbühne:Das Ensemble Lingua Franca

Westfalenblatt am 25.3.03:

Mit Laute und Theorbe

"Lingua Franca" in der Kreismusikschule zu Gast
- von Karl Heinz Spreyer

Gütersloh (WB). Sie waren großartige und perfekte Meister in einer so reichen Epoche wie des Barock - dieser Antonio Vivaldi und seine Zeitgenossen, die in Italien eine neue Musik entwickelten, die rasch auch in anderen Ländern populär wurde. Ihre Einflüsse sind bis in unsere Zeit unüberhörbar, obwohl viele Perlen jener Zeit verloren gingen oder vergessen wurden. Die breite Palette dieses Genres zu neuem Leben zu erwecken, ist das Bestreben des Ensembles "Lingua Franca", das am Wochenende in der Reihe "Lied und Kammermusik" in der Kreismusikschule begeisterte Zuhörer fand.
"Lingua Franca" - das sind vier Künstler, die sich vorzüglich in Lied und farbiger Musik ergänzen: Der Bremer Cembalist und Organist Jörg Jacobi und der Virtuose Thorsten Bleich, der unter anderem in Köln bei dem aus Gütersloh stammenden Professor Junghänel studierte mit Laute und Theorbe (eine langhalsige Laute) vom Konservatorium Straßburg hatten in der Sopranistin Felicitas Jacobsen und dem Barock-Cellisten Michael Corßen (beide Kreismusikschule) kongeniale Partner, die sich in der Interpretation italienischer Kantaten und Instrumentalwerke des Barock in bester Harmonie ergänzten. Neben geistlicher Musik waren weltliche Themen aus dem Bereich zwischen Freude und Trauer, Liebe und Leidenschaft vorherrschend, mit denen die Künstler in der Hausmusik meist adliger oder begüterter Kreise brilliert hatten.
Alessandro Scarlatti's "II Rosignuolo" eröffnete das Programm, instrumental eingeleitet und von Felicitas Jacobsen mit strahlender Stimme im Wechsel von Rezitativ und Arie gesungen. Von Lautenmeister Francesco Corbetta hörten wir das stark rhythmisch geprägte "Preludio", volksliedhaft und verspielt, mit dem der Straßburger, Lauten-Professor Thorsten Bleich viel Applaus fand. Georg Friedrich Händel war einer der Komponisten, die die italienischen Vorbilder übernahmen; er schrieb Arie und Rezitativ der Lucrezia "O Numi eterni", die Klage einer tugendhaften jungen Frau, die entehrt wurde und in Verzweiflung den Tod suchte, um die Familienehre zu retten. Die Sopranistin steigerte sich hier voller Dramatik und Leidenschaft, umrahmt vom facettenreichen Dreiklang der Instrumente. Auch in Cataldo Amodei's Heiliger Kantate über Maria, "die Mutter des Kindes von Nazareth", überzeugte die Sängerin mit jubelnder und starker Stimme. Antonio Vivaldi schloss das Programm mit zwei phantasievollen Werken: Zunächst das dreisätzige Cembalo-Konzert "Sesto delle Stravaganza", das von Jörg Jacobi - der während des Konzerts erläuternd in die Werke eingeführt hatte - meisterhaft nuanciert gespielt wurde. Schön das flotte Allegro und das rhythmisch abgestimmte Largo, ehe im zweiten Allegro der silbrige Ton des Cembalos mit einem wahren Tastenwirbel stürmisch zum Höhepunkt fand.
Felicitas Jacobsen rundete den Kreis ab mit "Fonti del pianto", der Klage eines jungen Mannes über die hartherzige und erbarmungslose Geliebte Filii, liebevoll, aber auch vorwurfsvoll; zurückhaltend abgestimmt vom klangfrischen Instrumentalkreis. Viel Beifall und Blumen für das anspruchsvolle Quartett.


Westfalenblatt am 18.2.03:

Große Talente präsentieren sich

Forum Lied und Kammermusik: Eisig-kalter Auftakt am Samstag
- von Karl Heinz Spreyer

Gütersloh (WB). Der kapriziöse und unkonventionelle Komponist Hugo Wolf vertonte auf seinem kurzen Lebensweg mehr als 300 Lieder, die oft die Züge seines Vorbildes Franz Schubert trugen: In kurzer Zeit entstanden allein 53 Lieder nach Texten von Mörike und 51 von Goethe, von denen wir zum Start des "Forums Lied und Kammermusik 2003" eine Auswahl hörten. Im ersten Teil der beiden Konzerte in der Kreismusikschule standen allerdings Lieder von Gabriel Fauré nach französischen Texten von Verlaine im Mittelpunkt. Peter Kreutz, Initiator der Reihe, stellte in den Mittelpunkt dieses Liebeslieder-Zyklus' zwei junge Sängerinnen; große Talente mit ausgewogenen Stimmen.
Mit der Sopranistin Sophie Klußmann, deren Auftritt am Wochenende wegen Erkältung zunächst fraglich war, und dem Mezzosopran Alexandra Rawohl hatten wir ein Wiedersehen mit zwei Künstlerinnen, die bereits im Sommer 2002 im Lehrgang für Lieder-Interpretation in Gütersloh mitwirkten. Das französisch-deutsche Programm war in der Detmolder Liedklasse von Peter Kreutz erarbeitet worden, der gewohnt sicher in Wort- und Musik-Beispielen in die Folgen einführte.
Gabriel Fauré, Wegbereiter des Impressionismus, war mit neun Liedern aus "La bonne Chanson" im Wechsel der beiden Stimmen vertreten. Ergreifend der Beginn mit "Eine Heilige in ihrem Scheine", "Da nun der Morgen glänzt" und das lyrische "Der weiße Mond glänzt in den Wäldern". Stürmisch dagegen "Ich wanderte auf treulosen Wegen", getragen das "Mir ist fast ein wenig bang" und "An einem Glockenreiner Sopranheißen Sonnentage" bis zum sanften "Der Winter ist zu Ende".
Im zweiten Teil dann Hugo Wolf, dessen 100. Todestag in diesem Jahr gedacht wird. Alexandra Rawohl sang mit ihrer schönen Mezzo-Stimme die Mörike-Texte "Weyla's Gesang", "Wo find' ich Trost" mit stürmischer Begleitung und sanftem Abschluss, sowie die "Verborgenheit" und das "Lebewohl" mit Donnergrollen des Pianos. Drei Goethe-Lieder, die verspielte "Spröde", "Die Bekehrte" und die Würdigung von "Ganymed", des Mundschenks von Zeus, schenkte uns zum Abschied Sophie Klußmann mit wieder belebtem glockenreinem Sopran.
Dankbarer Beifall, aber keine Zugaben: Die hatte man mit zwei Duetten für Sopran und Mezzo von César Franck schon an den Beginn gestellt. Leider hielt sich im ersten Teil des Konzerts am Samstag die gute Stimmung der Zuhörer in den eisig-kalten Räumen der Kreismusikschule in recht engen Grenzen.
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Neue Westfälische am 18.2.03
Märchenhafte Frühlingsgesänge

Glanzvoller Auftakt für neue "Forum Lied"-Reihe- VON KERSTIN BRUNE

Gütersloh. "Wie eine Pianistin" sei sie, die Musik Gabriel Faurés, "die mit charmanter Bewegung einen Träger hochzieht, der bei jeder schnellen Tonleiter verrutscht." So fasste einst Debussy die gelassene Eleganz, mit der das Liedgut seines Zeitgenossen leichtfüßig dahergeschritten kommt, in ein ebenso einprägsames wie neckisches Bild.
Pianist Peter Kreutz verrutschten am vergangenen Samstag natürlich wie gewohnt weder Frack noch die kleinste musikalische Geste: Die Detmolder Sopranistin Sophie Klußmann und Mezzosopranistin Alexandra Rawohl begleitend, gerieten Lieder und Duette von Franck, Faure und Wolf zu einem phänomenalen Saisonauftakt. Faurés sensiblen Zyklus "La bonne Chanson" entblößt seine zarte Schulter nur demjenigen, der jeder der neun motivisch miteinander verknüpften traumhaften Landschaftsidyllen ihren Charme so sicher zu entlocken weiß und sängerisch derart differenziert ausdeutet wie die beiden Detmolder Gesangsstudentinnen: Perlende Erzählfreude und frühlingshafte Erregung pflanzen in die für Fauré eher ungewöhnlichen musikalischen Gesten und melodischen Wendungen eine starke innere Bewegung, die der Musik die nötige Kraft verleiht, um in jedem Moment für sich zu stehen.
Ein flüchtiges, farbstrotzendes Linienspiel (Kreutz macht auf faszinierende Weise im Klavierpart gleich ein ganzes Streichquartett hörbar, das in einer späteren Fassung die Arbeit Faurés an diesem Liederzyklus vollendete) polstert mit weichen Klangteppichen aus heiterer Eleganz den schwingenden Boden, auf dem die brillanten Singstimmen durch märchenhafte Frühlingsbilder und erotische Träumereien gleiten. Die Musik bejaht die ihr zugrunde liegende, an Naturpoesie satte Liebeslyrik Paul Verlaines, verweigert aber dennoch jede allzusehr dienende Identifikation mit ihr: Die inwendige Anmut der Musik beschwert sich unter den drei Musizierenden mit keinerlei äußeren Effekthascherei, nichts Eruptivem, keinem Weltschmerz oder Seelenlast - zugunsten der Schlichtheit ihrer kompositorischen Form. Von eben dieser Reinheit nähren sich auch die Franckduette, in der die beiden warm leuchtenden Stimmen besonders eindrucksvoll zueinander finden und sich gegenseitig aufwerten.
Hugo Wolf dagegen hielt mit großen Gefühlsausbrüchen ja bekanntlich nicht hinterm Berg. Seine Mörike-Vertonungen bersten geradezu vor zitternder Spannung, die zwischen einem Aufbäumen gegen Angst, Nacht, Tod, Liebe und Erlösung pendelt. Die raunende Begleitung lässt Kreutz nun keine plusterigen Kissen aus Klangfasern mehr weben, sondern pulst dunkel im Duktus des Anschlags. Alexandra Rawohl, die in Detmold bei Professor Martin Christian Vogel studiert, setzt sich ausdrucksstark und emotional absolut "ausbruchssicher" darüber, mit genau dosierter Energie und hitzig funkelndem Ton den Irrsinn der Gefühle spiegelnd.
Ja, und wenn man zum Schluss Quasthoff-Schülerin Sophie Klußmann trotz einer schlimmen Erkältung, die die Sängerin beinahe zur Absage ihres Auftritts gezwungen hätte, mit atemberaubend luzidem Klang verheißungsvoll lockend hauchzarte Brücken in den koketten Gesang der Goethe-schen "Spröden" flechten hört, beginnt man doch ernsthaft zu überlegen, ob man den grippalen Infekt nicht vielleicht verbindlich für alle Sänger einführen sollte.

Faure

Brilliante Stimmen: Pianist Peter Kreutz führte mit Sophie Klußmann (Sopran, rechts) und Alexandra Rawohl (Mezzosopran) FOTO: BRUNE
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Die Glocke am 18.2.03:

"La Bonne Chanson" mit Hingabe gesungen

Forum Lied und Kammermusik

Gütersloh (gans). Es gibt, gerade auch für junge Sängerinnen, einfachere Liedkunst als die von Gabriel Faure in seinem Zyklus "La bonne chanson" verwirklichte. Es ist Musik, die in ihrem subtil konstruierten harmonischen Ungefähr weniger die offensive Aussage, als eine geschmeidig-beiläufige Diskretion des Vortrags erfordert. Die beiden Detmolder Gesangstudentinnen Sophie Klußmann und Alexandra Rawohl allerdings kennen und lieben diesen schwierigen Liederzyklus, von Pianist Peter Kreutz als "einer der schönsten der gesamten Literatur" bezeichnet, schon lange. Von dieser kenntnisreichen Hingabe profitierte denn auch das erste Doppelkonzert der neuen Saison des "Forums Lied und Kammermusik" in der Kreismusikschule in Gütersloh.
Was den beiden sich abwechselnden Sängerinnen gelang, war nicht weniger als die Quadratur des Kreises. Sich einerseits in den ungemein reichen, polyphon verästelten Klavierpart zu integrieren, andererseits doch gestaltend die komplexen Melodienlinien auszufüllen, ist auch für gestandene Interpretinnen eine enorme Herausforderung. Dieses selbstbewusst-sublime "beiseite Singen" von Sophie Klußmann und Alexandra Rawohl ermöglichte erst den vollkommenen Genuss dieser neun Verlaine-Vertonungen.
Obwohl sich bei Sophie Klußmann eine Grippe ankündigte, war die Sopranistin im Vergleich zum warmen Mezzo Alexandra Rawohls nur stimmlich leicht im Nachteil, gestalterisch aber auf gleicher Augenhöhe zu ihrer Kollegin. Beiden offenbarten höchste Sensibilität in ihrer Ausdeutung des Wort-Ton-Verhältnisses, von Peter Kreutz' wunderbarem Klavierspiel sicher getragen. So bewahrheitete sich der Titel des Werkes auch hinsichtlich dieser durch und durch idiomatischen Interpretation.
Wie sehr die beiden Sängerinnen miteinander harmonierten, war eingangs in zwei hübschen Duetten, von César Franck zu erleben, wo sich beide Stimmen in der relativ simplen Linienführung wunderbar miteinander mischten.
Nach Faurés raffinierten Ausschweifungen wirkte Hugo Wolfs Ökonomie der gestalterischen Mittel in den ausgewählten Mörike- und Goethe-Liedern noch konzentrierter. Die Schwermut der Mörike-Dichtungen fand in Alexandra Rawohls Interpretation eine empfindsame, gleichwohl nicht aufgesetzt dramatische Färbung. Sophie Klußmann traf ihrerseits die bukolische Leichtigkeit der Goethe-Vorlagen mit Charme, Anmut und Witz.
Insgesamt ein spannender, höchst gelungener Auftakt dieser für Gütersloh unverzichtbaren Konzertreihe.
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