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| Wetfalenblatt v. 7.01.03: Ehemaliger Kreismusikschul-Leiter Dr. Wilfried Stüven im Alter von 73 Jahren verstorben |
| Mit Herz und Seele Musikschule aufgebaut |
Kreis Gütersloh (igs). Er hat ein Leben lang für die Musik gelebt:
Dr. Wilfried Stüven. Sein Name war 19 Jahre lang eng mit der Musikschule für den Kreis Gütersloh verbunden.
Der »Vater« der Kreismusikschule starb am 3. Januar im Alter von 73 Jahren. »Dr. Stüven betrachtete seine
19-jährige Tätigkeit keineswegs nur als Beruf, sondern sah in ihm in Übereinstimmung mit dem Anliegen der
Schule geradezu ein Gesamtkunstwerk, in dem Sachkompetenz und Seele ihren gebührenden Platz hatten«,
würdigte Musikschul-Vorsitzender Jochen Dreier gestern den Verstorbenen. »Er verwaltete nicht nur,
sondern moderierte die unterschiedlichsten Belange der Menschen in seiner Schule, komponierte und
dichtete selbst und strebte immer danach, allen Schülern ein wichtiges Stück musischer Erfahrung auf den
Weg zu geben.« Es sei traurig, dass Stüven den Ruhestand, in dem er sich weiterhin wichtige Aufgaben
gesetzt hatte, nicht länger genießen konnte.
1973 hatte Stüven die Schule übernommen: Der Ausbau des Unterrichts und der Start des Musikunterrichts im früheren Kreis Halle war eine der Hauptaufgaben, der sich der Kirchenmusiker mit viel Elan widmete. Gebürtig stammte Dr. Wilfried Stüven aus Halle (Saale). In der Heimatstadt Georg Friedrich Handels begann er sein Studium der Kirchenmusik, Musikwissenschaft, Kunst- und Kirchengeschichte. »Orgel und Orgelbauer im Saalkreis vor 1800« lautete der Titel seiner Doktorarbeit, mit der er in Tübingen promovierte. Er arbeitete als Kirchenmusiker, Lehrer für Orgelspiel, Orgel- und Glockensachverständiger der Evangelischen Kirche von Westfalen, bevor er sich auf die Musikschularbeit verlegte. Zunächst war Stüven ein Jahr lang erfolgreich Leiter der Musikschule im Kreis Warendorf gewesen, bevor er die Leitung der Musikschule des Nachbarkreises übernahm, die nach der kommunalen Neuordnung neu aufgebaut werden musste. So vielen Kindern wie möglich den Weg zur Musik ermöglichen - das war das Ziel des Musikwissenschaftlers, dessen Ehefrau Johanna Stüven ebenfalls als Musiklehrerin für die Kreismusikschule tätig war. 1992 legte er aus Altersgründen seinen verantwortungsvollen Posten nieder. Dreier würdigte ihn damals als einen Musikpädagogen »mit überdurchschnittlicher künstlerischer und pädagogischer Befähigung«. Stüven sei eine Persönlichkeit, die mit Herz und Seele die Musikschule zu einem erstaunlichen Gebilde, zu einer kulturellen jugendpädagogischen Einrichtung von großem Gewicht geformt habe. ![]() 19 Jahre lang hat Dr. Wilfried Stüven die Musikschule für den Kreis Gütersloh geleitet. Am 3. Januar starb er im Alter von 73 Jahren. Foto: WB-Archiv |
| Neue Westfälische vom 7.01.03 Dr. Wilfried Stüven starb mit 73 Jahren |
| Musiker und Lehrer aus Leidenschaft |
Gütersloh. Die Musik war Zentrum seines Lebens: Dr. Wilfried Stüven, von 1973 bis zu seiner Pensierung
1992 Leiter der Musikschule für den Kreis Gütersloh, ist am 3. Januar im Alter von 73 Jahren unerwartet
gestorben.
In Halle an der Saale, der Stadt Georg Friedrich Händels, kam Wilfried Stüven am 10. April 1929 als Pfarrerssohn zur Welt. Schon als Zwölfjähriger versah er in der Kirche seines Vaters in Eileburg an der Mulde Organistendienst. Dort sammelte er die Praxis, die schließlich zum Kirchenmusikstudium in Halle führte. Stüven schloss es 1964 mit einer Dissertation über die „Orgel und Orgelbauer im Halleschen Land vor 1800"ab. „Die Liebe zur Orgel", sagte Stüven in einem NW-Gespräch anlässlich seines 70. Geburtstages, „war für meinen Lebensweg entscheidend. Sie hat dafür gesorgt, dass ich mehrere musikalische Felder bestellen konnte." Mit seiner Frau Johanna, die er während seines Studiums kennengelernt und 1954 geheiratet hatte, zog er zunächst nach Tübingen, dann ins westfälische Plettenberg, wo er 1964 seine erste Stelle als Kirchenmusiker antrat. Hier kamen die drei Kinder des Ehepaares zur Welt. Während der Zeit des Kantorats in Plettenberg konnte Stüven auch als Orgel- und Glockensachverständiger der Westfälischen Kirche wirken und damit seinem Interesse an der Denkmalspflege nachkommen. 1972 folgte Stüven dem Ruf an die Musikschule in Warendorf. Ein Jahr später übernahm er die Kreismusikschule in Gütersloh, wo er im Zuge der kommunalen Neuordnung Aufbauarbeit leistete. Stüven wollte, fünf Jahre nach Gründung der Musikschule, die guten Unterrichtsbedingungen, die im Südkreis herrschten, auch auf den Norden ausdehnen und dabei die gleichmäßige Bedienung aller Gemeinden sicherstellen. Die mit der Musikschulleitung verbundenen verwaltungs- und haushaltstechnischen Aufgaben empfand der Musiker und Lehrer als keineswegs ungeliebte Herausforderung. Neben dem möglichst umfangreichen Angebot an Instrumentalunterricht war die musikalische Grunderziehung Stüvens besonderes Anliegen. Die Kreismusikschule begann, musikdidaktische Kenntnisse an Lehrende zu vermitteln, damit diese an den Grundschulen musikalische Aufbauarbeit leisten konnten. Die aus dieser Arbeit entstehende Nachfrage nach kindgerechtem, doch anspruchsvollem Liedgut, kam Stüven mit selbstgedichteten und -komponierten Stücken entgegen, die er zu dem Band „Gütersloher Kinderkalender" zusammenfasste. Bekannt waren auch seine feinsinnigen und tiefgründigen Vorträge zu Musikschulveranstaltungen. „Dr. Stüven betrachtete seine 19-jährige Tätigkeit keineswegs nur als Beruf, sondern sah in ihr, in Übereinstimmung mit dem Anliegen der Schule, geradezu ein Gesamtkunstwerk, in dem Sachkompetenz und Seele ihren gebührenden Platz hatten", würdigte gestern Jochen Dreier, erster Vorsitzender des Musikschulträgervereins, das Wirken Stüvens. Stüven habe die Musikschule zu einer bedeutenden kreisweit wirkenden Einrichtung der Jugend- und Kulturarbeit gestaltet. Nach seiner Pensionierung 1992 kamen Stüvens schriftstellerischen Neigungen stärker zum Tragen. Sein „Anthropologisches Manuskript", das seine vielfältigen Interessen an der Welt und den Menschen widerspiegelt, wuchs zu vier dicken Bänden an. Seiner geliebten Orgel wurde er dabei nicht untreu. Sonntags spielte er das Instrument beim Gottesdienst in der Kreuzkirche der Westfälischen Klinik. |
| Die Glocke vom 7.01.03: - Zum Tod Dr. Wilfried Stüvens |
| Das Leben der Magie der Musik gewidmet |
Gütersloh (dop). Musikschulunterricht - das war für Dr. Wilfried Stüven, den langjährigen Leiter der
Musikschule für den Kreis Gütersloh, mehr als nur lernwillige „Massen zu organisieren". Wenn er von
einem „gut strukturierten Musikschulgebäude" sprach, dann bezog er sich nicht auf die Institution,
sondern wollte dies im übertragenen Sinn verstanden wissen: Musik und ihre ganzheitliche Vermittlung
bestimmten sein Leben. Dr. Wilfried Stüven starb 73-jährig am 3. Januar 2003.
Geboren wurde er am 10. April 1929 in Halle/Saale als Sohn eines Pfarrers. Die Kirche in der Nachbarschaft sollte für den Jungen wegweisend sein. Schon als 13-Jähriger gibt er regelmäßig Orgelkonzerte. Folgerichtig wählt der Abiturient Wilfried Stüven 1948 als Studienfächer Orgelspiel und Chorleitung, Musikwissenschaft, Kunst- und Kirchengeschichte. Seinen Traumberuf als amtlicher Orgel- und Glockensachverständiger kann er bei der Westfälischen Landeskirche antreten - verbunden mit dem Kantorenamt im sauerländi-schen Plettenberg. 1972 geht er nach Warendorf um aus der dortigen, eher unscheinbaren Stadt- eine Kreismusikschule zu formen - ehe sie bei der Kreisfusion dem Jugendmusikwerk Beckum-Warendorf einverleibt wird. Stüven geht nach Gütersloh. Innerhalb kurzer Zeit baut er hier „seine" große Kreismusikschule, auf. Von 1400 wächst die Schülerzahlauf rund 3000, von 21 300 auf 44 600 Unterrichtsstunden. Neue Reihen, neue, wegweisende Projekte entstehen. Dass die Schule trotzdem nicht zur „Unterrichtsfabrik" verkommt, liegt vor allem an ihrem Leiter, der immer den Menschen mit seinen vielen Talenten im Vordergrund sehen und fördern wollte, und der von seinen Lehrkräften pädagogische Zuwendung auf allen Ebenen der Musikschularbeit verlangte. Der Erfolg gab Dr. Wilfried Stüven Recht. Der Dank von Stadt und Kreis, Kollegen und Schülern 1992 zu seiner Verabschiedung (nach 19 Jahren Musikschulleitung) sprach für sich - und ihn. Mit seiner Frau Johanna, seinem Sohn Burkhard und den beiden Töchtern Almut und Viola trauern alle, denen Musik so viel bedeutet wie ihm. Die Trauerfeier für Dr. Wilfried Stüven findet am Freitag, 10. Januar, ab 14 Uhr in der Kreuzkirche der Westfälischen Klinik statt. Die Urnenbeisetzung findet in aller Stille statt. |